Logbuch meiner Radltour von Danzig nach St. Petersburg im Mai 2011

 

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Über

Rudi Plank

66 Jahre, verheiratet, 1 Sohn, Mai 2011 auf Fahrradtour von Danzig nach St. Petersburg.

Klassische Musik, Zaubern, Radlfahrn, Schifahren, Reisen, Lesen...

magic@rudolf-plank.de

Alter: 72
 



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Blog

21.Mai, an den Ufern des Lake Peipi, für Horst und Irene- public Antwort auf Euren Gästebucheintrag

liebe Irene und Horst,

freut mich, daß Ihr mit Eurem Dreiradl gut angekommen seid, wie sagt der Volksmund doch so richtig:

besser ein Rad ab als eine Schraube locker!

Ich habe schon ein paarmal versucht, zum culo de mondo zu reisen, aber der scheint ein moving target zu sein!

Als ich ihn zuletzt versuchte zu erreichen, es war in Karakul und ich mich einem Einheimer gegenüber als aus München stammend zu erkennen gab, erntete ich auf kirgisisch die erstaunte Reaktion:

"elöfylü güllükty dapöty tillü!"

was auf Deutsch ungefähr so viel heißt wie:

Mein Gott, Du kommst ja vom Arsch der Welt!

Ähnliche ist mir auch schon in Lencois (Bahia), in Luosto (Finland), in Balashkaray auf der Krim, in Grammastetten bei Linz oder auch in Mitterfirmiansreuth im bayrischen Wald passiert.

 

In diesem Sinne habt Ihr mir jetzt lleider das A-Wort rausgelockt, wahrscheinlich sehr zur Freude von Mark im nebeligen England, wo  vermutlich der wahre culo de mondo ist!

LG Rudi

21.5.11 05:18


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20.Mai von Tartu nach Lake Peipi 65km, total 982, immer noch 230 km bis St.Petersburg

  

20.Mai von Tartu zum Lake Peipi

Ich habe mich erst spät zum Weiterfahren aufgerafft – die gestrige Tagesetappe hat meinen Schwung wohl etwas gebremst- und war dann von der Besichtigung der Altstadt von Tartu umso mehr hellauf begeistert!

Die Gebäude sind hervorragend restauriert, aber besonders die Anlagen außen rum, die Straßen, Plätze, Grünanlagen und Parks sind vom Feinsten angelegt und werden liebevoll gepflegt.

Viele junge Leute prägen das Straßenbild, man sitzt gerne zusammen, und genießt das Leben. Kaum vorstellbar, dass die grauen und grauenvollen Zeiten der kommunistischen Herrschaft noch gar nicht so lange zu Ende gegangen waren!

Ich fahre 40 km durch eine der schönsten Landschaften, die ich jemals gesehen habe. Zwar ohne spektakuläre und dramatische Höhepunkte wie in den Dolomiten zum Beispiel, aber wirklich lieblich, gepflegt, heiter stimmend! –  wie Südtirol bloß ohne Berge und ganz flach?

Laut Garmin fahre ich schon einige Kilometer ganz nahe und parallel zum Ufer des Peipi -Sees, endlich, kurz vor der Ortschaft Kallaste, sehe ich ihn dann zum ersten Mal .

Der Lake Peipi, nicht zu verwechseln mit dem Lake Pepsi in Amerika und bitte schön gleich gar nicht mit dem Lake Pippi, in den ich mich in jedem Fall weigern würde, auch nur meine Zehen hineinzustecken, ist unbekanntermaßen einer der großen Seen Europas. Er erstreckt sich von Nord nach Süd, ist 150 km lang und in der Ost-West-Ausdehnung gute 50 km breit, und da Berge fehlen, kann man das jenseitige Ufer nicht sehen.

Der See ist der Länge nach geteilt, der östliche Tei gehört zu Russland, der westliche zu  Estland.

Am estnischen Ufer liegen einige Dörfer von Altkatholiken, die,  um ihren Glauben unangefochten ausüben zu können, aus Russland bis hierher geflohen sind. Anhand der Anlage und dem Stil der Dörfer kann man immer noch den russischen Einfluss erkennen.

Soweit ich es heute in der Kürze sehen und beurteilen konnte, ist der Lake Peipi (Peipi Järv auf Estnisch, Cudskoje Ozero auf Russisch)  eines der herausragendsten Natur-und Landschafts-highlights Europas.

Es gibt hier noch massenhaft unbebaute Seegrundstücke, im Sommer aber leider auch eben so viele Mosquitos.

Hier hat mir mein lieber Sohn in seiner rührenden Sorgfalt für seinen alten Herrn ein superschönes Quartier reserviert, vor meinem Zimmer liegt der See, ganz ruhig, wirklich blau, blauer geht’s gar nimmer!

Zur Krönung des Tages bereitet mir das Personal des Hotels Aarde Villa - ich bin wieder mal der einzige Gast- eine köstliche Zanderbasierte Fischsuppe und einen gebackenen Zander, natürlich im Peipisee geboren, aufgewachsen und gefangen, zu.

 
20.5.11 21:30


19.Mai von Valga nach Tartu, 93 km

19.Mai von Valga nach Tartu

In Valga war ich in dem schicken Hotel Metis abgestiegen und bin dort prompt einem Grazer über den Weg gelaufen. Er arbeitet als Holzeinkäufer für eine estnische Firma mit Sitz in Tallin. Er musste aus Kostengründen einen Dienstwagen der Firma nehmen und fährt nun in der Steiermark,  in Rumänien und in Bulgarien, in seinen Holzeinkaufsrevieren, mit seinem Audi und estnischem Kennzeichen rum. Da sein estnischer TÜV aber  jetzt abgelaufen war, musste der arme Kerl die 2500km in drei Tagesetappen von Graz hier heraufgurken, war am Morgen von 08.15-08.20 in Valga beim Esten-TÜV und war um 08.30, zeitgleich mit mir wieder reisefertig für die Heimreise, wieder 3 Tage und nochmal 2500km!

Sein trauriges Schicksal hat mich so beschäftigt, dass ich beim rausfahren aus Valga meinen Garmin nicht genau genug beobachtet hatte. Bis ich es gemerkt hatte, war ich schon ziemlich abgetrieben und befand mich ca. 5 km südlich meiner eigentlichen Route, der A3, die Valga mit meinem Tagesziel, der Stadt Tartu verbindet.

Aber ich habe mich mit meinem Los abgefunden,  Zurückfahren war keine Alternative und so fuhr ich eine geraume Zeit in den estnischen Wäldern auf ausgezeichneten, menschen- und autofreien Straßen spazieren. Die Landschaft war herrlich, riesige Schafherden mit vielen kleinen Schäfchen begrasten endlose grüne Weiden, herrliche Wälder waren in allen erdenklichen Grüntönen geschmückt. Als dann endlich das erste Warnschild „3km Elch“ auftauchte, war ich hellauf begeistert, rückte doch eines meiner noch unerfüllten Lebensziele, nämlich einen Elch in freier Wildbahn zu erleben, spürbar näher!

Einmal, vor ein paar Jahren, war es allerdings schon fast soweit. Ich hatte mir auf ebay die Mitfahrt auf einem Ostseetörn ersteigert und wir liefen um 04.00 morgens den winzigen Hafen Veere auf der zu Estland gehörenden Insel Saaremaa an. Der dritte im Bunde, Hans, war etwas gehandicapt weil er sich schon beim ersten Anlandemanöver auf der der Insel Bornholm vorgelagerten Insel Christiansö den Arm gebrochen hatte. Deshalb wollte er der engen Schiffstoilette entfliehen und kaum waren wir an Land, verschwand er mit seinem Gipsarm im Wald zum Pinkeln, kam kurz darauf völlig aus dem Häuschen und aus dem dichten Wald wieder heraus und erzählte, dass ihm beim Pipimachen seelenruhig eine Elchkuh zugeschaut hätte. Da war es um mich natürlich auch geschehen, wie ein Maniac bin ich den ganzen Tag im Wald herumgerast auf der Suche nach dem Elch, habe aber außer ein paar Vögeln und einem Regenwurm keine weiteren wilden Tiere angetroffen. Am späten Abend musste ich meine Suche ergebnislos abbrechen, weil der Skipper in Richtung Finnland auslaufen wollte.

Aber, um eine lange Geschichte kurz zu halten, wie ich so dahinfuhr und permanent links und rechts den Strassenrand nach Elchen abscannte, kam von hinten ein riesiges Monster von Holzknechtautomat auf mich zu und unter ohrenbetäubendem Lärm überholte er mich sogar. Das Ding kann wohl alles, was einem gestandene Baum so im Leben widerfährt erledigen, besonders gut kann er die letzten Minuten abdecken, er greift sich den Baum, fällt ihn, entzweigt und entrindet ihn, schneidet ihn in handliche10 Meter lange Stücke und legt diese fein säuberlich auf den Transporter, den er zusätzlich hinter sich noch herzieht. Ein tolles Ding, kostet wahrscheinlich ein paar hunderttausend Euro, allerdings hat es für einen gescheiten Schalldämpfer nicht mehr gereicht und mein Elch ist ob dieses Lärms ganz bestimmt bis nach Lappland rauf gerannt und wird sich dort die nächsten Tage nicht mehr hinter seinem Busch hervortrauen!

Und mir ist eines meiner großen Lebenswünsche wiedereinmal durch die Lappen gegangen!

Irgendwann hab ich dann auch meine Hauptstrasse wieder getroffen und bin nach 93 km müde, aber zufrieden und in einem Stück in der von der Hanse gegründeten Stadt Tartu angekommen.

20.5.11 20:54


19.Mai von Valga nach Tartu, 93 km

19.Mai, von Valga nach Tartu, 93 km incl. 5 km wg. Verirrens, noch 295 bis st. Petersburg

 

Heute bleibt der blog geschlossen, vielleicht morgen dann wieder.

(Heute können die Zurückgebliebenen mal was tun!)

Liebe Grüße aus Tartu

Rudi

19.5.11 15:54


18.Mai für erwin

lieber erwin, ich hab deine nachricht bzgl cul im gästebuch bekommen, leider weiß ich nicht, ob dich diese antwort erreicht. das system funktioniert reichlich nebulös!
SChick mir bitte mal eine email ausserhalb des blogs
magic@rudolf-plank.de
lb rudi
18.5.11 19:20


18.Mai von Valmiere-Lettland nach Valga-Estland, 53km, noch 380km bis St. Petersburg

18. Mai von Valmiera nach Valga 53km, noch 380 km bis St. Petersburg

Mein blog-Fanclub wächst: soeben schrieben mir auf chinesisch die Damen des Shanghai Escort und Massage Service.

Wie kamen die jetzt bloß auf mich? Ganz einfach, sie lassen ein paar tausend Kulis jeden blog–Eintrag der Welt von Google Translater übersetzten, sind dabei auf den Namen Lignate gestossen, und weil – wie jeder weiß, die chinesischen Zeichen für - “te“ und“-tao“ identisch sind, dachten die Damen wohl, ich würde in Lig Nat Tao in der Provinz Wuh Han herumstrampeln und haben mir deshalb ihre Dienste angeboten! (tatsächlich befand ich mich aber in Lig-na-te in der Provinz Sigulda/Lettland ! ).

Ich habe vorsorglich diese Einträge gelöscht, um die Integrität meiner lieben blog-Gemeinde nicht zu gefährden.

Jetzt geht’s aber los, ich hab mein Radl vor dem Hotel im skandinavischen Stil aufgebaut und meine Satteltaschen eingehängt, noch ein kurzer Blick zu meinem Po, er hält wie ein Flugzeugabfertiger beide Daumen hoch, ich lasse mein linkes und rechtes Triebwerk an und weil ich mich heute von vornherein bereits warm eingepackt habe, besteige ich frohgemut meine mobile Kachelofen Nordwand und rolle über den Taxiway durch das morgendliche Valmiera zu meiner Startbahn A3, die mich nach Valga in Estland führen sollte.

Auf dem Weg dorthin komme ich neben an zwei gut sortierten Fahrradläden auch an einer Apotheke vorbei, vor der gerade zwei Kunstmaler an einem großen, aus Polyester gegossenen Lehrmodell eines Anus letzte Hand anlegen. Ich kann der Versuchung nicht widerstehen, wende und bitte den einen der beiden Künstler, von mir und besagtem Modell eine photographische Aufnahme zu machen. Diese werde ich meinem armen Po als Reiseandenken stiften!

Da beide Maler nicht Englisch oder Deutsch sprechen, kann ich nicht herausfinden, ob mit diesem Modell auf die Gefahren von Hämorrhoiden oder vielleicht vielmehr auf die schädlichen Auswirkungen exzessiven Fahrradfahrens auf diesen Körperteil hingewiesen werden sollte.

Das erste überlebensgroße Polyester Modell eines Anus habe ich übrigens vor zwei Jahren im Innenhof des relativ neuen Wiener Museumsviertels gesehen. Natürlich haben es sich die Wiener nicht nehmen lassen, an der Stelle, wo der Dickdarm das besagte Gebiet betritt, sinnigerweise einen Würstlstand einzurichten!

Den externen Ausgang hingegen benutzen viele naseweisen Schüler von Schulklassen um ihren Kopf in die Öffnung zu stecken. Auch kann man immer wieder sogar erwachsene Touristen bei selbigem Tun beobachten, diese lassen sich dann gerne dabei sogar fotografieren!

Einer meiner blog-Leser (Hallo Mark!) in England führt angeblich eine Strichliste darüber, wie oft ich auf meinen Po resp. auf meinen Hintern zu sprechen komme.

Lieber Mark, damit ist jetzt Schluss, ich vertraue auf Deine limitierten Deutschkenntnisse und werde ab jetzt alternative Bezeichnungen für selbigen wählen, ich hoffe, mir fällt genug dazu ein und ich muss nicht auf den Herrn Goethe zurückkommen! Meinen Freund Erwin bitte ich, ab jetzt eine entsprechende Strichliste zu führen die aussagt, wie oft es mir gelingen wird, besagte Begriffe elegant zu umschreiben!

Inzwischen habe ich die A3 erreicht, ich lasse meine Triebwerke aufheulen und auf der mit bestem Belag versehenen und verkehrsarmen A3 beschleunige ich innerhalb der nächsten 200 Meter auf Tempo 28, ich schalte jetzt auch meinen Autopiloten ein und fliege erhobenen Hauptes meinem heutigen Ziel, der Stadt Valga in Estland entgegen. Tatsächlich brauche ich für die 53 km nur gute 3 Stunden, allerdings bei leichtem Insgesamt-Gefälle und moderatem Rückenwind! Wozu bräuchte man dann noch die 74 Jungfrauen?

 Die Landschaft ist herrlich, das zarte Grün der Birkenwälder wechselt sich ab mit den nach Harz duftenden Kiefernwälder links und rechts der Straße.

Die Bauernhäuser sind meist aus Holz errichtet, mit Schindeldächern, manche Nebengebäude sind kunstvoll aus groben Steinen gebaut.

Da mein Autopilot hervorregend arbeitet, schweifen meine Gedanken wieder zu meinen Erlebnissen dieser Reise ab, wie zu diesen, das Fernsehen betreffende:

In den Hotelzimmern gibt’s meistens Fernseher, von dampfgetriebenen Modellen aus den 20-er Jahren bis zu schicken Flachbildschirmen. Die Programme decken grob gesagt von Deutschland bis Persien, tendenziell aber mehr östlich, mit Schwerpunkt Russland das Empfangsgebiet ab.

So stieß ich beim Zappen auf eine Casting Show im persischen Fernsehen, statt Dieter Bohlen saß da ein gewisser Achmed und statt Sylvie van der Fahrt jurierte eine Blondine mit Pferdeschwanz aus Deutschland, sie fragte jeden Kandidaten: „Sprichst Du Deutsch oder do you speak English?“ Bis auf einmal erntete sie nur verständnislose Blicke, aber einer nickte bei Englisch, verstand aber dann ihre Kritik offensichtlich doch nicht – ich übrigens auch nicht. Ihre Kommentare wurden jedenfalls aus dem Off ins Farsi übersetzt. Das verstand zum Glück nur ich dann nicht.

Ich hab dann bis zum Abspann gewartet, weil ich wissen wollte, wer diese kühle Blonde war und was sie im iranischen Fernsehen zu suchen hatte - aber auch der Abspann war in persisch, so dass ich leider nix näheres  über sie berichten kann.

Ansonsten haben sich die Fernsehprograme ja international weitgehend angeglichen, es gibt überall Talkshows, wo sich das Publikum auf Kosten von oft strohdummen und bedauernswert ungebildeten Unterschicht-Mitmenschen belustigt.

Und dann gibts natürlich überall die Kochshows! 

In diesem Zusammenhang muss ich richtigstellen, dass die Russen inzwischen auch ganz gesittet Messer und Gabel benutzen und nicht, wie immer wieder frech behauptet wird, mit Hammer und Sichel ihr Schnitzel bearbeiten.

Übrigens habe ich mir in Riga dann tatsächlich den ESC angeschaut, und darf hiermit meine Kündigung aus dem Lena-Fanclub bekannt geben. Leider hat sie ihren persönlichen Stil ganz aufgegeben und ist zu einer der vielen, beliebig austauschbaren Hüpf-Pieps-Heul-Clown-Clons geworden.

Immerhin hat sich Austria seiner kulturellen Vorreiterrolle, die mit Mozart und Beethoven begann und mit Hermann Meier noch nicht enden wird, besonnen und ist nicht Letzter geworden.

Aufgrund der teilnehmenden Länder lässt sich das neue Europa erahnen: ist mir dochbis jetzt nicht klar gewesen, dass sich beispielsweise Aserbeidschan zu Europa und nicht zum fernen Asien zählt!

Während dieser Betrachtungen sind die restlichen Kilometer weggestrampelt, ich erreiche frohgemut die Grenze inmitten der Stadt Valga und habe das 5-te und somit vorletzte Land auf meiner Reise – Estland erreicht.

Hier checke ich in dem schnieken Schlosshotel Metsis ein und bereite mich mental auf die nächste starke Tagesetappe vor, die mich, in Begleitung meines Allerwertesten natürlich - wenn alles gut geht morgen bis nach Tartu bringen wird.

18.5.11 16:50


17. Mai von Ligatne nach Valmiera 64 km, total 771km

  

17.Mai von Ligatne nach Valmiera, 64 km

Nach einem verregneten Morgen entschließe ich mich, bei leichtem Nieseln gegen 11.30 doch loszufahren. St. Petersburg ist schließlich noch eine Ecke weg, und mit lauter Rasttagen komme ich meinem Ziel schließlich auch nicht näher!

Die Entscheidung war richtig, es ist zwar die ganze Strecke feucht, aber von heftigem Regen bleibe ich verschont.

Da mir vom Weg direkt nach Norden auf die A3 unter Hinweis auf den schlechten Straßenzustand abgeraten wurde – mein Ausflug auf lettische Nebenstraßen ist mir noch in guter bzw. schlechter Erinnerung, fahre ich zuerst in  der St. Petersburg entgegengesetzten Richtung wieder bis zur A2, die in NOO Richtung nach 200 km die russische Grenze trifft. Auf dieser Straße bleibe ich die folgenden 20 km.

In beiden Richtungen beobachte ich mit Holz vollbeladene Trucks und wundere mich über unsere Transportgewohnheiten. Wer weiß, was dann erst in den mit Planen abgedeckten Trucks so hin und her gefahren wird!

Dann geht’s, diesmal in NON Richtung auf der recht gut ausgebauten Regionalstraße P20 ca. 40 km quer durch den Gaujas Nationalpark – eine liebliche Landschaft, leicht hügelig, mit anmutigen Bauernhöfen, und sogar einer alten, an Holland erinnernden Windmühle!

Mein Speed erreicht zwischendurch fantastische Werte, längere Strecken rausche ich mit 25 kmh dahin, die Anstiege zwingen mich dann allerdings dazu, die kleinen Gänge zu benutzen und ich bin dann meist wieder unter 10 kmh. Das schwere Gewicht meines Radls incl. des Gepäcks macht sich halt bei schon geringen Steigungen sehr bemerkbar.

Ähnliches konnte ich vor 40 Jahren schon in Brasilien erleben, ich hatte mir dort einen der ersten VW Campingbusse von einem VWdoBrasil Werksfahrer gekauft, die Einrichtung war Eiche massiv, der Dachträger war aus Stahlrohren zusammengeschweißt und sogar begehbar, vorne dran war ein Bullenfänger mit einer ganzen Batterie von Scheinwerfern und das ganze superschwere Vehikel wurde mit einem 34 PS VW Boxermotörchen angetrieben, mit dem Effekt, dass ich sogar auf den Autobahnen dort bei jeder geringsten Steigung in nullkommanix in den zweiten Gang runterschalten musste und mit 35-40 kmh dahingekrochen bin.

Mit der Nässe wurde es auch wieder kälter, nach ein paar km zog ich die Regenhose an, ein paar km später dann auch wieder meine Schiunterwäsche, irgendwann hat es dann gestimmt, ich war gut eingemümmelt und fühlte mich auf meinem Gefährt warm und geborgen wie zu Hause auf der Kachelofen Nordwand – oder zumindest fast so.

Unangenehm ist, dass durch den Niesel meine kleinen elektronischen Helferlein praktisch nicht mehr ablesbar sind: der Tacho mit dem Tageskilometerzähler (wie weit bin ich heute schon gefahren?) und das Navi (wie weit ist es noch bis zum Ziel? + Strassenkarte mit dem Routenverlauf). Ich bin zu faul zum Nässe abputzen und rufe statt dessen meinen Freund Terry in Birmingham an, der zusammen mit seinen 6 Katzen meine Tour auf seiner Google Earth Premium Version (vermutlich von der US Army geklaut!) live mit verfolgt. Aber leider ist er gerade jetzt nicht zu Hause oder er schläft noch, so muss ich in Gottes Namen in den sauren Apfel beißen, selber die Anzeigen von den Regentropfen befreien und erst dann kann ich sehen, wo genau ich mich gerade herumtreibe.

In Valmiera schließlich um 17.00 Uhr angekommen leitet mich mein Navi zielsicher zum falschen Hotel (weil ich es falsch programmiert hatte!), die Freude angekommen zu sein war also verfrüht und ich musste noch weit aus der hübschen Stadt raus in ein Gewerbegebiet mitten in eine kulinarische und kulturelle Wüste. Das Hotel Naktsmajas warb mit seinem skandinavischen Stil, ich dachte mir dass das was Tolles wäre, aber offensichtlich verbirgt sich hinter diesem Attribut der Hinweis, dass es außer Zimmern nix gibt, was ein normales Hotel auszeichnen würde (Lift, Restaurant, Minibar, Haarföhn...)

Zufälligerweise bin ich auf dem Weg zum zweiten Hotel dann noch bei einem Radlrepair vorbeigekommen, wo mir der freundliche Jungunternehmer meine Schaltung nachjustiert hat und mein treues Radl auch noch ein paar Tropfen Öl zur Belohnung abbekommen hat.

Über ein Lebenszeichen meiner Segelfreunde Katrin und Alf habe ich mich sehr gefreut und ich werde heute Abend noch einen trinken auf unsere gemeinsamen Freunde: den Rückenwind und Heinz!

 
17.5.11 19:23


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