Logbuch meiner Radltour von Danzig nach St. Petersburg im Mai 2011

 

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Über

Rudi Plank

66 Jahre, verheiratet, 1 Sohn, Mai 2011 auf Fahrradtour von Danzig nach St. Petersburg.

Klassische Musik, Zaubern, Radlfahrn, Schifahren, Reisen, Lesen...

magic@rudolf-plank.de

Alter: 72
 



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Blog

anrwort für "flink"

 

hallo flink,

zu deinen fragen:

also ich spreche nicht russisch, sondern leider nur deutsch, bayrisch, englisch und ein bisserl portugiesisch. Russischkenntnisse wären natürlich in diesen ländern ideal. So kann ich mich halt nur mit händen und füßen verständigen, wenn das gegenüber nicht zufällig deutsch oder englisch spricht. zusätzlich habe ich auf meinem iphone noch ein programm, das heißt jourist übersetzer, gibts für glaube ich 7.60€ im apple store. enthält praktische phrasen in allen möglichen sprachen und spricht diese bei bedarf auch vor.

Die reisekosten halten sich in grenzen, in den baltischen staaten ist alles noch ziemlich billig, in einfachen restaurants kann man für 10.00€ sich ein 3-gänge essen incl. bier kaufen, natürlich gibts nach oben hin noch steigerungen, übernachtungen zwischen 15.00€ und 70.00€. spritpreise weiß ich nicht, aber vermutlich auch moderat. die geringe verkehrsdichte korreliert vermutlich eher mit der geringen besiedelungsdichte

 liebe grüße Rudi

17.5.11 10:13


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16.Mai Regenfrei in Lignate

  

16.Mai - Regenfrei in Lignate

Böses Erwachen am Morgen, es schüttet in Strömen. Da ich ein gutes Rasttagpolster habe, entschließe ich mich kurzum zu bleiben und verschiebe meine nächste Hotelreservierung problemlos um einen Tag.

Von Laura, der Managerin des Hotels Lacu Mica, in dem ich gerade wohne, erfahre ich, dass ich der einzige Gast in dem 10 Zimmer Etablissement bin, dass das Restaurant nur am Wochenende geöffnet wäre (heute ist aber Montag), aber das wäre alles kein Problem, sie gäbe mir den Hotelschlüssel, würde mir eine kalte Platte zum Lunch in den Kühlschrank stellen, nebst zwei Flaschen Bier, und zum Abendessen würde sie vorbeikommen und mir ein Dinner zubereiten.

Die Regelung gefällt mir. Als sie sich aber weigert, das Band mit der Wellnessmusik abzustellen, zeige ich ihr meinen Pfefferspray. Zunächst meint sie, es wäre ein ihr noch unbekanntes Deo, aber schließlich kann ich sie überzeugen und schweren Herzens und mit weinenden Augen stellt sie das Wellnessgedudel ab.

Ich aber packe meinen Pfefferspray wieder ein und richte mich auf einen gemütlichen Regentag ein.

Ich schreibe ein paar emails, schlafe nochmals ein bisschen und beschließe um 11 Uhr vormittags, in dem menschenleeren Hotel ein paar Szenen aus „Shining“, dem berühmten Filmklassiker mit Jack Nicholson, nachzuspielen.

Das lässt sich auch ganz gut an, ich beginne mich schon ein wenig zu gruseln, als ich um die Ecke vom Treppenhaus zur Bar bog und mir plötzlich ein großer, wilder Kerl gegenüberstand. Mir ist praktisch das Herz in die Hose gefallen. Ich stieß vor Schreck einen lauten Schrei aus, er schien genauso erschreckt zu sein wie ich, auch er schrie synchron mit mir, da beschlieses ich, das Shining-spielen abzubrechen. Jetzt erst merke ich, daß ich mich vor einem der zahlreichen großen Spiegel befinde, die überall im Hotel herumhängen.

Da ich nun vom Gruseln genug  habe und es inzwischen auch zum Regnen aufgehört hat, mache ich, die heftigen Proteste meines armen Po’s ignorierend - der sich ja auf eine geruhsamen radlfreien Tag eingestellt hatte - auf, die Gegend und den Ort Lignate per Rad zu erkunden.

Jetzt stellt sich heraus, dass der Hotelschlüssel nicht passt und ich praktisch eingesperrt bin. Ich erreiche telefonisch niemanden und langsam wird aus dem Shining-Spiel so etwas wie Realität.

Schließlich entdecke ich in der Restaurantküche eine Tür, die ins Freie führt und an der innen ein Schlüssel steckt. Ich schiebe also mein Radl mitten durch die Küche und an der Vorratskammer vorbei und bin so dem Schrecken vorerst entkommen und kann meinen Ausflug in die Umgebung von Lignate beginnen.

Als ich beim Werkstor der Papierfabrik vorbeikomme, bitte ich kurzentschlossen um die Erlaubnis, das Werk zu besichtigen, die mir zu meiner Überraschung nach ein paar Telefonaten auch gewährt wird. Mein Guide heißt Diana, sie spricht leidlich Englisch und war ganz nett und ist eifrig bei der Sache.

Die Fabrik war schon alt, viele Maschinen, darunter auch die eigentliche, relative kleine Papiermaschine, waren second hand angeschafft. Mich interessiert das Ganze deshalb besonders, da sowohl mein Großvater als auch mein Vater in einer großen Papierfabrik in Laakirchen/Österreich beschäftigt waren und ich schon als Kind manchmal zuschauen durfte und von den riesigen Maschinen immer fasziniert war.

Das Werk hier in Lignate stellt aus Abfallpapier, das im ganzen Baltikum, aber auch in Finnland eingesammelt wird, 2nd. Class Papier her. Aus einem Teil davon werden die harten Pappröhren gefertigt, die als Kern für Folienrollen dienen, der Rest wird Druckerpapier oder Verpackungspapier.

Während meiner kleinen Excursion in Lignate ist jemand vom Hotelpersonal ins Hotel gekommen und hat die Küchentür wieder zugesperrt.

Als ich von meiner kleinen Spazierfahrt dann zurückkomme, stehe ich wieder mal vor der verschlossenen Hoteltüre, diesmal aber im Freien. Vor Wut habe ich mich dann wieder in den Hintern gebissen, aber andersrum, so dass mein „fast“-Hexenschuss von gestern Abend sich wieder kompensieren konnte.

Als ich dann endlich nach ein paar Telefonaten wieder in mein Hotel hineinkann – es hat inzwischen auch wieder zu regnen begonnen- erledige ich noch den lästigen Bürokram und habe in diesem Moment das exclusiv für mich zubereitete Dinner von Laura serviert bekommen!

 

 

 

16.5.11 17:53


15.Mai von Riga nach Lignate 74 km, total 707 km (mein armer Po!)

Start in aller Frühe, aber da Sonntag ist, gibt es Frühstück erst ab 08.30, Also wieder zurück, Däumchen drehen im Zimmer, dann erneuter Frühstücksversuch, jetzt geht’s los, an Körper und Seele gestärkt und auch das Radl scharrt schon wieder mit den Hufen (?).

Der Weg aus Riga hinaus ist im Garmin programmiert, blöd nur, dass auf der Karte im Navi das Stadtgebiet rotbraun eingetönt ist, der Track, dem ich entlangfahren soll, aber in Pink dargestellt wird – bei Tageslicht ist er auf rotbraun fast nicht zu erkennen.

Prompt verfahre ich mich, an einem riesigen orthodoxen Friedhof vorbei bis an eine Stelle, wo ich voraus auf drei Seiten von Wasser umgeben bin, also da wollte ich keinesfalls hin! Auf dem Navi genauer nachgecheckt sehe ich, dass ich wohl schon eine ganze Zeit lang falsch unterwegs war. Also alles wieder zurück und diesmal klappt es dann mit der Orientierung. Es dauert fast eine Stunde, bis ich dann endlich aus Riga rauskomme, geht Riga inzwischen doch auch schon langsam auf eine Million Einwohner zu.

Was hat mich an Riga besonders beeindruckt?

Natürlich die bestens restaurierte Altstadt mit den weltberühmten Ansichten vom Dom, dem Rathaus usw. Dann aber auch die vielen urbanen, ein- und auch zweistöckigen Holzhäuser, die sehr stark an Russland erinnern. Sie scheinen in der Wertschätzung ziemlich weit unten zu liegen, da man kaum ein restauriertes Holzhaus zu sehen bekommt, aber ich bin mir sicher, mit ein bisschen Farbe und Spucke könnte man viele architektonisches Schmuckkästchen schaffen! Hoffentlich findet sich noch rechtzeitig Farbe und Spucke, um diese seltene, im Baltikum aber typische historische Architekturform erhalten zu können.

Einige Exemplare moderner Architektur begeistern mich sehr, ganz besonders der Fernsehturm. Die drei schlanken, in elegantem Schwung sich zu einer Spitze vereinigenden Stützen glänzen golden in der Sonne. Kein weiterer Schnickschnack wie vielleicht ein Drehrestaurant stört die klare Struktur - eine moderne Interpretation des Eiffelturms!

Am Ufer der Düna (lettisch: Daugava), haben sich Architekten zum Thema Hochhaus interessante und anregende Lösungen einfallen lassen – viele Grüße an die Architekten der neuesten Münchner Schuhschachteln wie z.B. das SZ-Hochhaus in Berg am Laim! Auf dem Fluß können die großen Ostseefähren bis zum Stadtzentrum von Riga fahren und dort ihre Ladung löschen.

Ansonsten ist wie in vielen baltischen Großstädte viel Volk auf der Straße, Straßenmusikanten, viele Bettler, viel Schickimicki, alle viel aufgeschlossener als die Volksgenossen am flachen Land. In Riga sprechen dann auch viele Englisch, zumindest ein bißchen!

Da heute Sonntag ist, sind viele Radfahrer unterwegs, selbstverständlich auf Mountainbikes, es könnte ja unvermutet mal ein Berg auftauchen. Viele haben ihre Radl auf dem Autotach, es geht zu fast wie in München.

Kaum habe ich die Suburbs von Riga hinter mich gebracht, bin ich wieder auf einer Autobahn gelandet, diesmal die A2, perfekter Straßenbelag, überdimensionierter Pannenstreifen, den ich als meinen quasi exclusiven Fahrweg nutze und ein überdimensionaler Mittelstreifen, der die beiden Fahrtrichtungen trennt. Manchmal ist der Mittelstreifen richtiggehend bewaldet und nur mit Mühe kann man weit drüben den Gegenverkehr erkennen.

Bei uns sind Fahrradler auf einer Autobahn undenkbar. Allerdings nur im kleinen Mitteleuropa. Im Rest der Welt wie in Brasilien, Venezuela, Kuba, Mauritius, Rußland und im Baltikum ist die Autobahn oft die einzige Verbindung von A nach B, so dass sich auch der „arme Leute Verkehr“ wie Radler, Fußgänger und Linienbusse der Autobahn bedient. Da der Verkehr in der Regel aber nicht allzu dicht ist, manchmal sogar fast nicht vorhanden ist, halten sich die Probleme für Radler meist in Grenzen.

In diesem Zusammenhang ein Hinweis auf das wichtigste Add-on an meinem Rad: ich habe mir einen riesigen (10 cm Durchmesser) Fahrradspiegel aus dem Motorradzubehörladen montiert, sodaß ich über alles, was sich mir von hinten nähert, frühzeitig und bestens informiert bin! Nähern sich so von hinten kläffende Hunde, überreife Damen oder gar wilde Trucks in unziemlicher Weise, kommt mein zweitwichtigster Ausrüstungsgegenstand, der Pfefferspray, in angemessener Dosierung aber wirkungsvoll zum Einsatz.

Schließlich bin ich heute in einem Hotel im Gauja Nationalpark gelandet. Der Ort heißt Lignate und erhielt seinen Namen nach einer bei der Papierherstellung gebräuchlichen Ingredienz. Dementsprechend gibt es in dem Ort neben einer historischen, stillgelegten bzw. zu einem Museum umgewandelten Papiermühle auch eine moderne Papierfabrik.

Die für die Arbeiter am Beginn des 20. Jahrhunderts errichteten Holzhäuser – Zeitzeugen einer frühen sozialen Errungenschaft- die „Werkswohnung“- stehen auch heute noch in unmittelbarer Nachbarschaft des Hotels, sie sind bewohnt und gegenüber putzt ein junger Mann im Muscle T-shirt gerade seinen alten Opel Calibra. Die eingeschaltete Tonanlage hat wohl eine höhere Leistung als das ganze Opel Maschinchen und so spart die ganze Strasse Strom, da weitere Radio- oder Musikmaschinen gegen die Muskel-Tshirt Anlage sowieso chancenlos wären.

Ich frage natürlich gleich erfolgreich nach einem Zimmer auf der der Straße abgewandten Seite, nicht ahnend, dass im gesamten Hotel, in der Bar, im Speiseraum und natürlich auch auf der Terasse unter meinem Zimmer ein Band läuft mit stetig dahin plätschender, computergenerierter Wellnessmusik.

Vor lauter Wut darüber versuch ich mich in meinen eigenen, eh schon malträtierten armen Hintern zu beißen, verdreh mich dabei aber so unglücklich, dass ich fast einen Hexenschuss bekomme.

Da sieht man, wie ungesund Musikgenuss sein kann!

PS: einige Freunde beklagen, daß ihre Kommentare irgendwo verloren gingen- tut mir sehr leid, ich kann da nicht helfen. Aber bitte lasst Euch nicht entmutigen, probiert es weiter, vielleicht alternativ über das Gästebuch oder schriebt mit einfach eine email an magic@rudolf-plank.de

Ich brauche Eure Meldungen wie der Fisch im Wasser die Luft, sonst gehe ich hier in den Weiten des Baltikums an Heimweh zugrunde- und das wollen wir doch alle net! -oder doch? 

15.5.11 20:11


14. Mai Riga-Rasttag

Vormittags hsbe ich im Bikeshop Gandrs in der Kalnciema iela 28 mein Radl für die zweite Hälfte meiner Tour fit machen Lassen:

neue Kette,

neuer Zahnkranz hinten,

das angerostete Bremsseil für die Hinterradbremse ersetzt (das hätte eigentlich der Velo am  Ostbahnhof machen sollen!)

abschmieren,

Luft einblasen,

neuen Fahrradständer montieren,

das alles für 41 Lat, ca. €60.00.

Nachmittag geschlafen,  Hotel für morgen gebucht, ein paar emails geschrieben,

abends am Hauptplatz einer ausgezeichneten Rockabilly Band zugehört und gehe jetzt ins Bett.

14.5.11 22:55


13. Mai von Dobele nach Riga, 76km

Das Hotel in Dobele (das einzige im Umkreis von 60km) stammt architektonisch, instandhaltungsmäßig und auch von der Servicequalität her gesehen noch aus der Sowjetzeit. Alles zusammen sollte unter Denkmalschutz gestellt werden!

Es war wirklich unbeschreiblich, sogar für mich! Ich habe deshalb dann relativ  früh den Ort dieses Schreckens verlassen.

Nach der Ortschaft Dobele hat sich das Farmland etwas gewandelt, statt einer grünen Weidelandschaft bestimmt nun Ackerbau das Landschaftsbild, es ist auch ziemlich flach, der Himmel bedeckt, nachts hatte es auch ein bisschen geregnet.

Dann taucht ein jüngst renovierter landwirtschaftlicher Großbetrieb, wohl eine ehemalige LPG auf, zwar  mit bewohntem Storchennest, aber aus den endlos langen Stallungen vernehme ich ängstliches Schweinegequieke. Mir dreht es fast den Magen um, erinnern mich doch eh schon heimische Bauernhöfe oft eher an Viehgefängnisse, dies hier kommt mir aber wie ein Tier-KZ vor. Vielleicht tue ich den Leuten hier unrecht, aber ich kann mir kaum vorstellen, daß eines der Tiere hier respektvolle oder gar liebevolle Behandlung erfährt.

Mir fällt noch eine Episode von gestern ein.

 Als ich mich wie immer bei einer Busstation häuslich zu einer Rast niedergelassen hatte, sah ich aus weiter Entfernung einen Mann die Straße entlangwandern, wohlgemerkt, kilometerweit war keine Ortschaft gewesen. Es war ziemlich warm, denn die Sonne schien kräftig. Als er dann auf meiner Höhe war, bot ich ihm mit einer einladenden Geste etwas von meinem Wasser an, denn er hatte außer einer qualmenden Zigarette nix dabei.

Er nahm mein Angebot ohne zu zögern gerne an und  setzte sich neben mich auf die Bank. Er erzählte mir dann irgendwas auf lettisch, ich revanchierte mich -wieder mal - mit der Erklärung vom Unterschied zwischen Weißwurst und Weißbier auf Deutsch. Obwohl wir beide die Sprache des Anderen absolut nicht verstanden, unterhielten wir uns prächtig. 3 Zigaretten und 10 Minuten später trennten wir uns dann als gute Freunde, er zwang mir im Überschwang sogar einen Bruderkuss auf, Gottseidank war es kein Zungenkuss a la Erich und Leonid! -  und verschwand wieder entlang der Landstraße - eine weitere Zigarette qualmend - in den Tiefen des lettischen Waldes, ich jedoch strampelte ein paar Kilometer weiter östlich zu dem mit dem wunderschönen Namen geschmückten, aber potthäßlichen Ort Gardene.

Der Ort liegt mitten im tiefen Wald – mein neuer Freund scheint von hier gekommen zu sein -und verdankt seine Existenz einem in ebendiesem Wald versteckten Betonwerk. Es ist eine Gründung aus der Sowjetzeit. Die Sowjets haben es doch tatsächlich geschafft, ihren architektonischen Mist von Wladiwostok über Kirgistan, Lettland, bis nach Berlin und darüber hinaus sogar noch bis Kuba erfolgreich verbreitet zu haben, und einige Länder wie China und Nordkorea eifern ihnen sogar heute noch nach.

Was diese Sowjetbauten von unserer Schachterlarchitektur unterscheidet, ist die extrem schlampige Bauweise, die Verbauung billigsten Materials sowie der konsequente Verzicht auf jedwede Instandhaltungsmaßnahmen. Im deutschen Fernsehen läuft zur Zeit, ich glaube auf Discovery, eine Science-Doku, die in beeindruckenden (Trick-) Aufnahmen zeigt, wie sich die Welt nach 50, 100, 500 oder tausend Jahren verändern würde, gäbe es aus irgendeinem Grunde von nun an keine Menschen mehr. Hier könnte man eine Folge drehen, mit komplettem Verzicht auf irgendwelche Computerhilfen!

Je näher ich Riga komme, desto dichter wird der Verkehr. Über Land teile ich mir die Straße weitgehend mit Truckern und meist weißen Großvans (Mercedes Sprinter, Ford Transit...) der Logistikfirmen. Sie tragen Namen wie BalticLogs, Lognet, FastDel und so weiter, Manche preisen ihre Dienste an wie zum Beispiel dieser hier:

"Laujsaimnieki sobrid kondomkuma nodoklus spiesti maksat?

BalticLogistic dubulta apjoma-ne tikai uznemuma ienakuma nodokli, kas ir bet 3 ari - iedzivotaju ienakuma nodokli!"

Tolle Sprache? Es heißt soviel wie:

"Sie haben Ihre Kondome vergessen? - Baltic Logistic hilft Ihnen binnen 3 Tagen aus Ihrer Verlegenheit und liefert garantiert – an welchen Ort Sie es auch immer wünschen!"

Na, hoffentlich hat bis dahin die Frau dann noch Lust?

30 km vor Riga erwischt es mich dann doch: der erste Regen auf meiner Reise. Gottseidank nicht schlimm, ich verzichte darauf, meine Regenkleidung auszupacken und fahre in leichter Kampfausrüstung weiter.

20km vor Riga befinde ich mich dann auf der Autobahn, auf der ich nun bis ins Stadtzentrum bleibe. Es prickelt schon ein bißchen, wenn man in 1 Meter Seitenabstand von Monstertrucks überholt wird, die vielleicht 100 kmh schneller fahren und eine 50 Meter lange Gischtwolke hinter sich herziehen. Aber, wie meine liebe Frau richtig anmerkte, ich wollte es ja so.

 Auf meinem Weg ins Stadtzentrum passiere ich einen Radlladen, hier werden gerade Mountainbikes angepriesen. Ich sause sofort hinein und verabrede einen Servicetermin für Morgen Vormittag.

Dank GPS finde ich problemlos mein Hotel in der pittoresken und sehr belebten Altstadt von Riga. Mein lieber Sohn Leo hat es besorgt und mich sogar für zwei Nächte dort eingeladen. Drückt ihn vielleicht das schlechte Gewissen wegen der schlechten Strasse von vorgestern? Nein, das  glaube ich nun eher doch nicht!

Hier suhle ich mich nun im Luxus, lasse meine Wäsche waschen, sehe fern und esse im todschicken Restaurant Shrimpsuppe und Entenbrust, begleitet von drei kühlen Bieren.

Dem morgigen Tag sehe ich gelassen entgegen, es ist Ruhetag und es wird auch keinen Blog geben.

Aber ich würde mich sehr freuen, von Euch aus der Heimat lesen zu können!

 
13.5.11 20:53


12. Mai Saldus nach Dobele 43km

12. Mai von Saldus nach Dobele 43 km

Heute war ich ganz gerührt, als mich während der Fahrt eine SMS erreichte. Mein treuer Freund Erwin war schon in Sorge ob es mich noch gäbe, da auch er wegen des „Funklochs“ längere Zeit  nix mehr von mir gehört hatte.

Vielen Dank lieber Erwin, hat mich wirklich gefreut und ich darf Dir zum Dank die Geschichte von dem kleinen Hund widmen, mit allen exclusiven Distributionsrechten und natürlich auch dem Recht auf uneingeschränkte wirtschaftliche Verwertung!

Heute lief es bei wieder strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen fantastisch dahin. Die nach Riga führende A9 ist in hervorragendem Zustand, es ist eher wenig Verkehr und da heute zum ersten mal Gegenwind vollständig fehlt, rase ich mit 18-33 kmh nur so dahin. Auch die Libido ist mangels Gegenwind wieder uneingeschränkt da.

Die Farmlandschaft ist perfekt, sieht eher wie eine gepflegte Parklandschaft aus, vor den wenigen Bauernhöfen kann man immer wieder auf den Dächern Storchennester beobachten, in denen fröhlich geklappert wird

 Als musikalische Untermalung dazu gibt’s 100-pro nix passenderes als Beethovens 6-te, die Pastorale.

Da ich heute nur eine MickyMouse Strecke vor mir habe (inzwischen merke ich doch schon, daß meine Kondition zugenommen hat, auch mein Po hat resigniert und hat sich der Sattelform angepasst), zögere ich nicht, nach 15 km bereits eines der seltenen Rasthäuser anzusteuern.

Vor dem Eingang sitzt ein einzelner Gast in der Sonne, rauchend und telefonierend. Ich gehe rein und baue mich vor dem Tresen auf, hinter dem zwei mittelalterliche, gut gefüllte Damen Wache halten. Beide ignorieren mich und starren parallel geradeaus ins Nirwana. Naja, ich warte vielleicht eine Minute, dann wird es mir zu blöd, ich kehre um, gehe raus und fahre ungelabt weiter.

Natürlich grummelt es die nächsten paar Kilometer gewaltig in mir, was hätte ich nicht alles unternehmen können gegen diese beiden tranigen Geschöpfe?

Zum Beispiel dies:

Nach einer Minute drehe ich mich um, gehe zu einem der Tische, greife mir einen der superschweren Glasaschenbecher, bau mich vor den beiden Damen auf, lege den Aschenbecher auf meine linke Hand, mache oberhalb des Aschenbechers mit der rechten Hand ein magisches Gefuchtle  und sage:“ Look Ladies, I show you the famous trick with the levitating (=schwebendem) Ashtray“

Damit habe ich ihre kurz Trance unterbrochen und beide schauen mich überrascht an. In diesem Moment kippe ich meine linke Hand, sodaß der Aschenbecher tatsächlich eine millionstel Sekunde in der Luft zu schweben scheint, anschließend aber unterstützt durch die  Gravitation (Kravulatautas) zunehmend dem Boden zustrebt, wo er schließlich in viele tausend glitzernde Glasstücke zerspringt, die sich brav auf dem Boden des Etablissements großflächig verteilen.

Mit einem coolen „Sorry Ladies, this didn`t work!“ drehe ich mich um und strebe mit Robert Mitchum-Wiegeschritt und Terence Hill- Lächeln dem Ausgang zu, wo ich mich auf mein Ross schwinge, im Galopp auf die A9 einbiege und mein radelndes alter ego in der Realität bald wieder eingeholt habe.

Ja, so hättens echte Kerle gemacht. Anyway, auf jeden Fall ist die Sammlung meiner Kategorie-4 Damen definitiv wieder um 2 Exemplare angewachsen!

Irgendwie ärgert mich auch, daß ich vor meiner Reise mein Radl extra noch zum Radlservice gebracht hatte und trotzdem die Hinterradbremse immer wieder blockiert. Jetzt habe ich die Bremse einfach ausgehängt und komme hoffentlich in dem doch weitgehend flachen Gelände mit der Vorderradbremse um die Runden.

Aber, wie folgendes zeigt, gibt es schlimmere Schicksale, wie ich zum Beispiel dieses in meiner Reiselektüre beschriebene vorfand, es geht hier um einen cubanischen Opponisten im weiteren Umfeld von Fidel Castro, namens Chibas:

„So…. wetterte er jeden Sonntagabend 30 Minuten lang im Radio gegen die Regierung und alle, die mit ihr gemeinsame Sache machten. …. Mit seinen offenen, kritischen Worten gewann Chibás die Herzen der kleinen Leute

… Nach einem glühenden Appell an alle Kubaner, endlich aufzuwachen und gegen politische Unfreiheit, wirtschaftliche Abhängigkeit und soziale Ungerechtigkeit zu kämpfen, zog er vor laufendem  Mikrofon einen 38er Colt aus seiner Tasche und erschoss sich.

Tragisch, dass er in dieser Minute bereits seine Sendezeit überzogen hatte, es lief bereits ein anderes Programm

...Das Begräbnis wurde zu einer Massendemonstration gegen das faulige Regime… Die erste Totenwache hatte ein junger Rechtsanwalt gehalten: Fidel Castro.“

(Zitat aus Die Bacardis: der Cuba Clan zwischen Rum und Revolution, Ursula Voss, campus Verlag, -  schau, so geht’s , mein lieber Herr von und zu…!).

So – habt ihr Euch gut unterhalten oder mindestens ein bißchen was gelernt?

 Gut, dann gute Nacht!

12.5.11 19:11


in eigener Sache

liebe blog-freunde,

ich schreibe mir hier jeden Abend fast einen Wolf um Euch an meinem Abenteuern teilhaben zu lassen, vermisse aber hinreichend Kommentare & news von Eurer Seite.

Drum bin ich jetzt mal ein bisschen beleidigt und stelle vorübergehend mein Geschreibsel ein ( bis sich das bessert).

Gruss an die Heimat

Rudi

12.5.11 07:41


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