Logbuch meiner Radltour von Danzig nach St. Petersburg im Mai 2011

 

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21.Mai vom Lake Peipi nach Jöhvi, 85km, 1067 hinter und noch 145 vor mir

     

21, Mai vom Lake Peipi nach Jöhvi, 85 km, 1067 hinter und nur mehr 145 vor mir

Nachdem ich am Abend zuvor als letzte gute Tat noch drei Schnacken an der Wand befestigt hatte, war ich schnell und geräuschlos in Morpheus‘ Reich entschwunden.

Die Oberfläche des morgenstillen, spiegelglatten Sees wird noch von keiner Welle gestört. Dieser Anblick weckt am Morgen schnell meine Lebensgeister und nach dem Frühstück bin ich innerhalb von 10 Minuten reisefertig. Inzwischen hat sich schon eine gewisse Pack-Routine ergeben und ich radle gut aufgelegt den nordwestlichen Quadranten des Lake Peipi ab, leiste mir ein paar Abstecher in kleine Dörfer, die zwischen der Hauptstraße und dem See liegen, lege mehrere Fotopausen ein und fühle mich schon abgebrüht genug, um nicht vor der heute geplanten 85 km Strecke vor Ehrfurcht zu erstarren.

Jede der kleinen Ansiedlungen hat eine gepflegte altkatholische Kirche, gekrönt von mehreren Kuppeln, die meist vergoldet und mit einem Kreuz, das im unteren Teil noch einen schrägen Querbalken hat, gekrönt sind.

Die Häuser sind klein, oft ärmlich, aber viele werden jetzt renoviert und zeugen von der Liebe der Esten zu ziemlich wilden Farben. Ich bin ja keiner, der einem guten Kitsch aus dem Wege geht, und so freue ich mich über jeden der bunten Farbklekse in der Landschaft und werde gar nicht müde, diese zu fotografieren!

Ich kann mich noch gut an die verwegenen Farbkombinationen erinnern, die ich letzten Sommer in Cape May angetroffen hatte. Cape May ist ein kleines, aber schickes Städtchen südlich von Atlantic City an der Mündung des Delaware Rivers. Meine Frau war zu einer Hochzeitsfeier eingeladen und ich durfte sie zu ihrem Schutz begleiten.

Ganz Cape May ist unter Denkmalschutz gestellt, und zwar wegen der vielen, top in Schuss gehaltenen viktorianischen Häuser. Die Häuschen stehen inmitten von üppigen und mit Blumen reich geschmückten Gärten. Sie sind in den wildesten Farbkombinationen bemalt - Kombinationen wie Fliederrot mit Hellgrün und Violett, oder Dunkelbraun mit Eierschalengelb und Rosarot. Dazu noch viel Deko-Schnickschnack, in amerikanischen Farben gehaltenen Girlanden vor der Haustür und den Fenstern, dazu noch amerikanische Flaggen satt. Und es sah toll aus!

Ich konnte mit dem Fotografieren gar nicht mehr aufhören - so schön kann Kitsch sein!

Endlich habe ich das Nordufer des Lake Peipi erreicht. Die A3, an der  ich jetzt schon ein paar Tage entlangstrampele, biegt nun nach Norden ab, um die 50 km der Landenge, die den Lake Peipi von der Ostsee trennt, zu durchqueren.

Nach ein paar weiteren Kilometern steuere ich eine am Straßenrand errichtete Räucherfischhütte an, um meine 1000 km Feier mit dem Fischer und seiner Frau zu zelebrieren.

Der Fischer war aber gerade nicht zu Hause, so dass ich mich mit dem herrlich schmeckenden geräucherten Fisch, natürlich im Peipisee gefangen, und der ebenfalls appetitlichen Frau des Fischers begnügen mußte.

Ich war jetzt wegen der 1000 km ganz kurz ein klein wenig stolz auf mich, und habe mich an die Schildkröte erinnert, die von München aus zu ihrer Wanderung zum Chiemsee aufgebrochen war – wie es ihr wohl inzwischen ergeht, ist sie schon im Chiemgau gelandet?

Sollte jemand von Euch, liebe blog-Gemeinde, die Schildkröte unterwegs sehen – sie heißt übrigens Tranquilla Trampeltreu, dann richtet ihr viele liebe Grüße von mir aus und sie möge bitte auf keinen Fall aufgeben, auch wenn ihre Hinterradbremse einmal blockieren sollte (aber haben Schildkröten überhaupt eine Bremse? - die brauchen doch eher einen Accelerator oder zumindest einen Nachbrenner!).

Für eine größere Feier bleibt aber keine Zeit. Ich muss ja schließlich noch nach St. Petersburg und auch auf die Fischersfrau wartet neue Kundschaft.

So erlebe ich – weil es langsam ja doch schon dem Ende zugeht -  etwas wehmütig die liebliche Landschaft im Norden Estlands. Feine Kontraste zwischen den verschiedensten Grüntönen, im Vordergrund ein Meer von blühenden gelben Löwenzähnen und – anders gelben – Rapsfeldern bezaubern mich und zwingen mich immer wieder Fotostops einzulegen.

Aber der Gefühlsduselei geht spätestens 15 Kilometer vor meinem heutigen Tagesziel, der Stadt Jöhvi, die Luft aus. Mein meistgehasster Gegner, der liebe Gegenwind, hat mich wieder mal zu seinem Opfer auserkoren.

Diesmal lasse ich mir aber nix anmerken, ich beiße meine Zähne zusammen und erreiche mit erhobenem Haupte, in sportlicher Haltung wie Lance Armstrong

-ab jetzt folgt Wunschdenken -

und unter tosendem Applaus der Massen die Stadt Jöhvi. Vor dem Hotel reißen sich die begeisterten Zuschauer darum, mich behutsam vom Rad zu heben, sie streiten sich heftig, wer meine 4 Satteltaschen zur Rezeption tragen dürfe und die Rezeptionistin füllt freiwillig und eigenhändig den Meldezettel für mich aus. In meinem geräumigen, angenehm temperierten und geschmackvoll eingerichteten Hotelzimmer wartet das nach frischem Lavendel duftende Badewasser schon eingefüllt und am Nachtkästchen steht schon ein frisches perlendes Blondinchen bereit, mich zu erfrischen!

-Ende Wunschdenken.

Jöhvi wurde als Poststation für die alte Zarenpost, die St. Petersburg mit den Hauptstädten Westeuropas, Berlin, Paris, Wien und London verband, gegründet. Ja, ist schon gut - natürlich auch mit München und Fischbachau!

Seither ist dann in Jöhvi nix Erwähnenswertes mehr passiert.

Das einzige Restaurant war für eine Hochzeit reserviert, der Pub im Erdgeschoß des Hotels bot außer Discogedröhne nix mehr zum Essen an (das Küchenpersonal hatte schon die Flucht ergriffen), in dem anderen Pub war eine Geburtstagsfeier.

Das Geburtstagskind, die Powerplantingenieuse Jule, war gerade 32 Jahre alt geworden, war Kategorie II Mitglied und bestand darauf, dass ich mich in die finstere Kneipe hineinzuwagen hatte und so saß ich da inmitten vieler junger Frauen und der alten Tante und war neben Jules Ehemann und ihrem Onkel der einzige Mann im dem Etablissement. Da Jöhvi eine rein russische Stadt ist - in der nordöstlichen Provinz Estlands wird neben Estnisch vorzugsweise in Russisch unterrichtet, kam ich bald in die Verlegenheit, mit dem Onkel Wodka trinken zu müssen.

Als dann endlich mein Essen kam, beschlossen die Damen, ich hätte jetzt gefälligst mit ihnen zu tanzen. Das war natürlich genau das, was ich jetzt noch brauchte, außer dem Frühstück und dem 1000 km Fisch hatte ich noch nichts im Magen, und dann war ich ja auch noch gefühlte 100 km (siehe Gegenwind) gestrampelt, Bewegung hatte ich also heute schon reichlich gehabt!

Leider hatte ich meinen Pfefferspray im Hotel zurückgelassen. So blieb mir nichts Anderes übrig, als höflicherweise gute Miene zum bösen Spiel zu machen, ich hampelte drei Minuten mit sieben relativ frischen Jungfrauen auf der Tanzfläche herum und als die Platte aus war, verdrückte ich mich und mein Essen schnell, kippte zum Dank mit Jule noch einen Wodka und empfahl mich auf leisen Sohlen. Mutterseelenalleine wankte ich durch das menschenleere Jöhvi ohne weiter Umwege und nächtliche Abenteuer heim ins schützende Hotel.

Heute, am 22. Mai war Rasttag angesagt, ich habe mir mein Ausgehhemd gewaschen, diverse Büroarbeit gemacht wie Hotels für die nächsten Tage im Internet gesucht und gebucht und auch die Ausflüge der nächsten Tage geplant – und diesen blog-Eintrag konzipiert, geschrieben, verworfen, wieder geschrieben, 3-mal geändert, korrigiert, gekürzt, nicht gespeichert, dann noch ein weiteres Mal aus dem Gedächtnis geschrieben weil inzwischen der Computer abgestürzt war….

Meine Radtour ist ab heute unterbrochen und geht erst am 28. Mai wieder weiter, da werde ich abends in Narva (45 km östlich von Jöhvi, Grenzstadt zu Russland) den Leo, meinen lieben Herrn Sohn treffen, der mich den letzten Abschnitt meiner Radltour bis St. Petersburg begleiten wird.

Im Gegenzug begleite ich ihn auf der ersten Etappe seiner Radreise, die ihn von Narva aus über St. Petersburg und Murmansk zum fernen Nordkap führen wird. Seine Reise wird die Fortsetzung einer Radltour vom letzten Jahr sein, wo er von München aus 2300 km weit bis nach St. Petersburg fuhr. Ein kleines Stück dieser Reise habe ja nun auch ich erlebt und umso mehr habe ich jetzt Respekt vor seiner Leistung – Hut ab Leo!

Morgen werde ich zum sightseeing nach Norden radeln, zur Küste des finnischen Meerbusens.

In diesem Zusammenhang muss ich Euch noch von Laura erzählen, der jungen Dame aus dem schönen Hotel Villa Aarde am Gestade des Lake Peipi.

Sie war vollschlank, Typ Vollweib mit hübschem Gesicht und anmutigem Betragen. Als sie mir das Abendessen servierte, trug sie ein schwarzes Kleid a la Marylin Monroe beim Geburtstagsständchen für John F. Kennedy. Dazu passend high heels, zusätzlich umrahmte ein figurbetonender cremefarbener Spencer das reichhaltig gefüllte und gut einsehbare Schaufenster. Eine appetitliche Erscheinung, dem  hervorragendem Essen absolut gerecht werdend!

Trotz ihrer Leibesfülle ganz klar der Kategorie I zuzuordnen!

Ihre Strategie ist ebenso klug wie erfolgversprechend: anstatt sich am Malibu Beach mit tausenden zurechtgelifteten Silikontanten zu messen, kann sie beim diesjährigen Wet-T-Shirt-Contest hier am Peipi Beach als einzige ernstzunehmende Teilnehmerin sicher mit dem ersten Platz rechnen.

Als sie mir heute Morgen das Frühstück servierte, war sie überraschenderweise noch genauso chic aufgemaschelt wie am Abend davor.

So, jetzt ist aber blog-Pause, wenn mein touristisches Programm mir noch Zeit lässt, werde ich kurz mal meine Gedanken zu den Baltischen Sprachen zum Besten geben - ist aber nicht versprochen!

Dann bleibt bitte gesund und munter bis zum 28. Mai, dann geht’s wieder weiter.

Aber vielleicht könntet auch Ihr mir mal wieder schreiben?- nicht nur immer vorm TV hocken!

22.5.11 19:03
 


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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Terry (23.5.11 18:36)
Hi RADL RUDI!
This has to be the slowest blog to load... anyway, great blog. No, at times rather magnificent. I want to do a pilgrimage in your footsteps. Visit these wonderful places, mention your name, gather stories about you. Then people will follow me, and write about me writing about you.
You have deserved the break. When you cycle finally into St. Petersburg make sure everyone knows that it was you and you alone who did the long stretch, and that Leo just did the admin and the last few miles - otherwise he will be stealing your glory. May you be accompanied a hundred vivacious blonds every step of the way, and may at least one of them be a woman..


(23.5.11 18:47)
my god terry- are u gay?
but was nice to read your enthusiastic feedback- alter schleimer.
love rudi

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