Logbuch meiner Radltour von Danzig nach St. Petersburg im Mai 2011

 

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30. Mai von Volosov nach St.Petersburg, 76 km, 1276 hinter und noch 10 km bis ins Zentrum

30. Mai von Volosov nach St. Petersburg, 76 km bis zum Hotel, noch 10km bis ins Zentrum

Um 08.15 haben Leo und ich unsere Drahtesel gesattelt und nehmen meine letzte große Reiseetappe guten Mutes in Angriff.

Eigentlich geht’s zweimal nur geradeaus, einmal ostwärts gute 40 km bis zur Stadt Gatchina, dann 35km nach Norden, davon die letzten 20 km nach St. Petersburg hinein auf der Autobahn.

Der Verkehr steigerte sich während der ganzen Strecke kontinuierlich, da St. Petersburg ja eine 4,5 Millionenstadt ist, war der Verkehr im Einzugsbereich der Stadt schon heftig.

Die Dame vom Typ Babuschka an der Rezeption unseres 50 Sterne Hotels in Volosov war gestern Abend noch etwas reserviert, wir hatten keine gemeinsame Sprache und sie war es nicht gewöhnt, mit Händen und Füßen und Zettel und Bleistift zu kommunizieren. Sie hat es dann aber doch irgendwie geschnallt, dass wir beträchtliche Strecken mit dem Velociped zurückgelegt haben (ich) bzw. noch werden (Leo) und hat uns darob so lieb gewonnen, dass sie mich beim Abschiednehmen heute Morgen am liebsten an ihrem gusseisernen BH (Größe 45, Triple D) zerdrückt hätte! Vorsichtshalber hatte ich meinen Pfefferspray aber schon entsichert. Neben ihrem Job als Rezeptionistin hatte sie auch noch das Solarium zu managen und war zum Dritten auch noch die Taxirufzentrale Volosovs.

Gestern Abend mussten wir noch vors Haus, im Hotel gab es nix zum Essen und um nicht vor Hunger einzugehen sind wir der Empfehlung gefolgt und haben das Cafe gegenüber der Miliz aufgesucht.

Das kleine neue Gebäude war außen in den Farben Weiß und Blau bemalt. Alle Fenster waren mit ebenfalls blauen verstellbaren Stoffjalousien verhangen. Entsprechend eigenartig war es innen drin, wir waren vorerst wieder einmal die einzigen Gäste - die einzige aber stimmungsvolle Lichtquelle war der Fernseher in dem eine Zweite Weltkriegs Soap Opera  lief. Die Chefin hatte ihren Stuhl in ein Meter Entfernung direkt vor dem Fernseher aufgebaut und folgte mit dem Rücken zu ihrem Lokal sitzend fasziniert dem Fortgang der Schmonzette.

Leider mussten wir sie stören. Die Auswahl der Speisen aus der Vitrine war sehr einfach, einmal aufgrund der eingeschränkten Auswahl und zum anderen, weil uns die Wirtin über alle Sprachgrenzen hinweg mit eindeutigen Gesten über die Qualität respektive über die Genießbarkeit Bescheid gab, so schilderte sie uns eine Art von Fleischsalat so: eine Handbewegung vom offenem Mund schwungvoll in Richtung Boden? – Alles klar?

So war unser Mahl relativ zu der zurückgelegten Strecke davor extrem karg, lediglich angereichert durch die Gesellschaft eines in Zivil gekleideten und bereits leicht angeschickerten Majors der Miliz von Volosovo, der uns eindringlich auf das große Herz der russischen Bevölkerung hinwies und uns das unbedingt durch eine größere Wodkaspende beweisen wollte. Wir aber haben den Sportler raushängen lassen und sind im leichten Regen durch die deprimierenden Plattenbausiedlungen Volosolovs in unser Hotel zurückgeschlichen.

Mir geht das Schicksal der Kinder sehr ans Herz, die in ein solches trostloses Environment hineingeboren werden. Ich befürchte, dass viele von ihnen nie aus dieser Umgebung werden sich befreien können. Ihr unmittelbarer Lebensbereich bietet wirklich nix Erbauliches, im Gegenteil, die Eingangstüren der Wohnblocks bestehen aus verrosteten Blechtafeln, die Gebäudefugen bzw. die Stöße der Plattenelemente sind unverputzt, die Außenanlagen sind entweder verfallen oder gar nie in Angriff genommen worden! Und die Zufahrtsstraßen sind eine Ansammlung von Schlaglöchern und Frostkratern. Die einzigen instandgehaltenen Gebäude sind die der Miliz und der Stadtregierung.

Von kulturellen Angeboten keine Spur!

Der Kontrast zwischen Volosolov und dem 70 km entfernten St. Petersburg ist enorm. Zwar trifft man auch in St. Petersburg immer noch viele bauliche Erinnerungen an die schlimme Zeit, doch sieht man allenthalben die Früchte der Bemühungen, sich dem westlichen Qualitätsniveau zu nähern. Natürlich sind da Bauten wie das Jaguar Vertriebszentrum, OBI oder Media Markt Vorreiter. Aber es geht sichtbar aufwärts und in einigen tausend Jahren wird der Fortschritt hoffentlich auch Lokalitäten wie Volosolov eingeholt haben!

Nachdem ich dem „Windgott letztendlich 15 Jungfrauen geopfert hatte und dem Regengott weitere 10 versprochen hatte, wurde unsere Fahrt nach St. Petersburg in jeder Weise begünstigt, der Wind kam von da, wo er kommen sollte, nämlich von hinten, und der Regengott brachte sich nur ein paar Kilometer vor St. Petersburg mit ein paar zarten Tropfen in Erinnerung und teilte uns so mit, dass er die Jungfrauen in zufriedenstellendem Zustande bekommen hatte.

Die russischen Autobahnbauer habe ich dann noch mit 25 Jungfrauen bedacht zum Dank für ihre hervorragende Arbeit und dass sie den Ausgleich des Höhenunterschied zwischen Inland und der Hafenstadt St. Petersburg mittels einer perfekten radlfahrergerechten  Trasse bewältigt haben. So sind wir mindestens 3 km lang ohne zu bremsen mit 40 kmh dahingerauscht!

Von den mir verbliebenen 24 Jungfrauen werde ich mir einige zur Beruhigung für den Lufthansa Ground Manager St. Petersburg aufheben, der höchstwahrscheinlich irgendwelche Zicken bezüglich Fahrradtransport sich einfallen lassen wird. Den Rest werde ich einfach zurücklassen bzw. eigenverbrauchen.

Ebenso den Pfefferspray, nachdem ich ihn tatsächlich kaum einzusetzten brauchte – die Androhung des Einsatzes zeigte meistens bereits die gewünschte Wirkung - habe ich ihn in den letzten Tagen aus Jux dazu benutz, meine Frühstückseier im Hotel publikumswirksam zu würzen!

Zum Abendessen war ich mit Leo beim Japaner, um

den Abschluss meiner Tour,

das Ende unserer gemeinsamen 2-Tages Minitour und

den Beginn seiner großen Tour zu feiern.

Dabei habe ich ausgiebig mein neues Übersetzungsprogramm an der Kellnerin ausprobiert: Man schreibt den gewünschten Text ins Iphone, drückt auf den Translate Button und schon spricht das kleine Wunderding den ins russische übersetzten Text der zart errötenden Kellnerin vor! Wirklich Klasse!

30.5.11 22:03
 


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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Leo / Website (31.5.11 13:31)
nachdem mein Vater so schön von seiner Reise berichtet hat möchte ich Euch meine Eindrücke - sicher weniger eloquent - nicht vorenthalten. Siehe elpi68.myblog.de euer leo


(31.5.11 15:58)
Lieber Leo, meine Gedanken werden Dich ständig begleiten! Immer den Kopf hochhalten und bitte nix übertreiben!
Gutes Gelingen, schönes Wetter, Rückenwind und einen immer zufriedenen und kooperativen Allerwertesten wünscht Dir Dein Herr Vater
PS halte Dich von wilden Hunden, überreifen Damen und Monstertrucks fern!

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